Glasstadt Zwiesel

Kläranlage. Nicht nur zu Corona-Zeiten systemrelevant.

Das Dilemma mit Reinigungs- und Desinfektionsstüchern

Systemrelevant – ein Wort, das in Zeiten der Coronakrise immer häufiger zu hören ist.

Supermärkte, Ärzte, Pflege- und viele andere Berufe brauchen wir unbedingt, um unsere elementaren Grundbedürfnisse befriedigen und um die Gesellschaft am Laufen halten zu können. Diese Berufe sind also ganz sicher systemrelevant. Doch wissen wir auch, wer oftmals nicht so öffentlichkeitswirksam und im Hintergrund einen ganz maßgeblichen Anteil daran hat, dass wir trotz zahlreicher Beschränkungen und einer nicht greifbaren Virus-Gefahr sicher und gut leben können? Das Team um den Zwieseler Klärwerksleiter Ulrich Rauch, das nicht nur in Pandemie-Zeiten einer erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt ist, gehört zu einhundert Prozent dazu. 

Gleich zu Beginn hat Josef Schreindl, Geschäftsleitender Beamter der Stadt Zwiesel, eine große Bitte an alle Bürgerinnen und Bürger: „Entsorgen Sie Reinigungs-, Desinfektions- und Toilettenfeucht-Tücher nicht über die Kloschüssel.“ Das kann zu erheblichen Problemen in der Kläranlage führen. Weil sich diese Tücher nicht zersetzen, könnten sie beispielsweise in den Pumpanlagen hängen bleiben und diese verstopfen. Deshalb sollte man Reinigungs- und Desinfektionstücher über den Hausmüll entsorgen. Gleiches gilt übrigens auch für Küchenkrepp und Zeitungspapier, die sich ebenfalls nur schlecht oder gar nicht auflösen. Toiletten-Feuchttücher sollten am besten gar nicht verwendet werden.

Wie systemrelevant das Klärwerk-Team ist, zeigt sich auch an den Überlegungen, die derzeit zum Schutz der Mitarbeiter unternommen werden. So wurde seitens der Stadtverwaltung in Absprache mit Rauch beschlossen, die Mitarbeiter in Teams aufzuteilen und auf verschiedene Schichten zu legen. „Damit soll die Handlungsfähigkeit gewährleistet sein, wenn es Coronabedingte Ausfälle geben sollte“, sagt Schreindl. Zwar gibt es seitens der Bayerischen Staatsregierung eine Empfehlung „Springer“ zu benennen, die aus anderen Kommunen angefordert werden können. Doch nicht nur der Schreindl fragt sich, wie das funktionieren soll: „Natürlich schaut jede Kommune in der aktuellen Situation auf sich selbst und sorgt sich um seinen Bereich, das ist doch völlig normal.“ Im Notfall würde man also zuerst auf Mitarbeiter des eigenen Bauhofes zurückgreifen und erst im nächsten Schritt auf das seit Jahren gut funktionierende System der Kläranlagen-Nachbarschaften.

Neben dem ordnungsgemäßen Betrieb der Kläranlage sind die Mitarbeiter auch für den kompletten Unterhalt des Abwassersystems der Stadt Zwiesel zuständig. Wer sich einmal vor Augen führt, was passieren würde, wenn das Abwasser nicht abgeleitet würde, kann sich vorstellen, warum dieser Beruf systemrelevant ist. Ganz andere Krankheiten als das aktuelle Virus würden die Luft und den Boden verpesten, die Lebensbedingungen wären unerträglich. 

Weil Abwasser und der Betrieb einer Kläranlage das ganze Jahr über gewisse Risiken in sich bergen, sind die Mitarbeiter bestens sensibilisiert, sich zu schützen. „Das ist unser täglich Brot“, sagt Ulrich Rauch. Seine Mitarbeiter sind derzeit angehalten auf Abstand zu gehen um Ansteckungen jeglicher Art untereinander zu vermeiden. So verbringt ein Teil seiner Leute die Mittagspause im Sozialraum, ein Teil draußen vor dem Betriebsgebäude und weiterer Teil außerhalb der Kläranlage. Doch neben dem aktuellen Corona-Virus sind die Klärwerker das ganze Jahr über der Gefahr von Viren, Bakterien, Sporen, Parasiten und Pilzen ausgesetzt, die im verunreinigten Wasser vorkommen können. „Auch giftige Gase können sich entwickeln“, erklärt Rauch. „Sicherheit, Selbstschutz und die strikte Einhaltung von Hygieneregeln und  maßnahmen gehören daher zum Tagesgeschäft unseres Teams.“

Abschließend nochmal Schreindls Appell, die Abwasserrohre und damit den Klärwerksbetrieb nicht mit übermäßigem Abfall und problematischen Stoffen zu belasten. „Das ist das was wir alle konkret tun können, um den Klärwerkern das Leben zu erleichtern.“