Glasstadt Zwiesel

Christkindlmarkt in Zwiesel abgesagt

Im Corona-Jahr 2020 wird es in Zwiesel keinen Christkindlmarkt geben.

Schweren Herzens hat man sich seitens der Verwaltung dazu entschlossen, diesen herausragenden Termin im Veranstaltungskalender des Zwieseler Winkels abzusagen. Bürgermeister Franz Xaver Steininger ist die Entscheidung nicht leicht gefallen, er sagt: „Neben den Problemen, die uns allen die aktuelle Pandemie-Situation bereitet, sprechen weitere schwerwiegende Gründe gegen eine Durchführung des Christkindlmarktes.“ Dies sein zum einen eine vom Stadtrat verhängte Haushaltssperre sowie zum anderen der zu erwartende Gegenwind aus dem Landratsamt.

Alle Zwieselerinnen und Zwieseler sowie zahlreiche Besucher aus der Region freuen sich jedes Jahr auf das erste Adventswochenende. Dass der traditionelle Christkindlmarkt in diesem Jahr nicht stattfinden kann ist aus Sicht der Verwaltung ebenso bedauerlich, wie unumgänglich. Zumal Zwiesel ja mit dieser Entscheidung nicht alleine auf weiter Flur steht. Überall werden Christkindl- und Adventsmärkte für das Jahr 2020 ausgesetzt. Dies ist natürlich zuallererst der aktuellen Corona-Situation geschuldet: Zwar hat die bayerische Staatsregierung für 2020 noch kein generelles Verbot von Christkindlmärkten ausgesprochen, aber schon angedeutet, dass diese Märkte allenfalls unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden könnten. So müsste man beispielsweise einheitliche Laufwege mit Ein- und Ausgang organisieren, damit der Mindestabstand gewahrt werden kann. Auf Stände mit Alkoholausschank, die, wie es Ministerpräsident Markus Söder formuliert, „eher an Après-Ski-Veranstaltungen in Ischgl erinnern“, müsse man sicher verzichten. Zulässig wäre nach der gegenwärtigen Einschätzung ein reiner Künstler- oder Warenmarkt. Damit kann sich Steininger aber nicht anfreunden: „Das widerspräche der Tradition des Zwieseler Christkindlmarktes, bei dem geselliges Beisammen sein mit Essen und Trinken immer im Vordergrund stand.“ Zumal ja auch erhöhter Alkoholkonsum dazu führen könnte, dass die Abstandswahrung zum Beispiel an Ständen oder WC-Anlagen „vergessen“ wird. Das würde einen erhöhten Einsatz an Kontrollpersonal und damit höheren finanziellen Aufwand bedeuten.

„Generell gesagt gibt es derzeit keine allgemein gültige Aussage der Staatsregierung, wie und in welchem Umfang genau die Märkte stattfinden können. Es hängt alles in der Schwebe. Damit können wir uns nicht anfreunden.“

Darüber hinaus hat man seitens der Verwaltung in den letzten Monaten bei Veranstaltungen festgestellt, dass die Zurückhaltung der Besucher sehr groß ist. Viele meiden demnach Menschenansammlungen generell, um das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten. Auch das wäre einem Christkindlmarkt nicht zuträglich. Die Marktstände wurden bisher überwiegend von gemeinnützigen Organisationen betrieben, die großen Aufwand für die Veranstaltung erbrachten. Wenn nun die Besucherzahl wesentlich geringer wäre, würden die verminderte Einnahmen den Einsatz nicht mehr lohnen, auch wenn die Arbeitsleistungen in aller Regel ehrenamtlich erbracht werden. Nicht zuletzt wurden aufgrund der Corona-Pandemie heuer auch die vom Stadtmarketing organisierten Verkaufsoffenen Sonntage abgesagt. „Es wäre ein Widerspruch in sich, wenn die einen Veranstaltungen abgesagt, andere aber durchgeführt würden“, sagt Steininger.

Ein weiterer Grund für die Absage ist die aktuelle Haushaltssperre, die mehrheitlich vom Stadtrat im ersten Quartal 2020 beschlossen wurde. Danach darf die Stadt derzeit vermeidbare Ausgaben nicht mehr tätigen. Um den gemeinnützigen Organisationen entgegenzukommen, wurden die Standgebühren bisher immer sehr niedrig angesetzt mit der Folge, dass die Stadt einen Verlust aus dem Christkindlmarkt zu tragen hatte. Auch mit Blick auf den bereits möglichen Kostenmehraufwand durch erweiterte Kontrollen würde dies den derzeitigen haushaltswirtschaftlichen Vorgaben widersprechen. Eine Aufhebung der Haushaltsperre ist auch aufgrund der derzeit unverändert geltenden SARS-Coronavirus-2-Pandemie und gesamtwirtschaftlichen Situation 2020-2021 kurzfristig nicht zu erwarten.

Und schließlich hätten der Stadtrat und das Landratsamt Regen schon gegen das Aufstellen eines Maibaums lautstark protestiert und medial Stimmung gemacht. „Das brauche ich kein zweites Mal“, sagt der Rathauschef und ergänzt: „Ich bedaure die aktuelle Situation sehr, aber ich muss auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen. Die politischen Querschläger und Proteste der Vergangenheit haben gezeigt, dass auch eine vorausschauend, angepasste Planung des Christkindlmarktes nicht zum Erfolg führen würde.“