Glasstadt Zwiesel

Sicherheit bei der Stadt Zwiesel

Der richtige Umgang mit Sicherheitsvorfällen ist entscheidend.

Hochkarätigen Besuch konnte Bürgermeister Franz Xaver Steininger jetzt im Zwieseler Rathaus begrüßen. Alexander Borgschulze, der zum einen als Leiter der Konzernsicherheit bei der Flughafen München GmbH tätig ist und zum anderen das Amt des Vorstandsvorsitzenden des Bayerischen Verbandes für Sicherheit in der Wirtschaft e. V. (BVSW) bekleidet, hielt vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung einen Vortrag zu eben diesem elementar wichtigen Thema.

„Als Verwaltung sind wir vielfältigen Gefahren und Angriffen von außen ausgesetzt“, sagte Steininger in seinen einführenden Worten. „Daher halte ich es für unabdingbar, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter relevanter Bereiche der Verwaltung, sich auf dem Laufenden halten und über aktuelle Gefahren und Entwicklungen Bescheid wissen.“

Borgschulze, der seit 1994 in Zwiesel lebt, hat 25 Jahre bei der Bundespolizei sowie im Bundesinnenministerium gearbeitet und war fünf Jahre Sicherheitschef für die Bahnregion Bayern, bevor er an den Flughafen München wechselte. Dort ist er als Leiter der Konzernsicherheit für den Einsatz von 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verantwortlich, die in diesem Aufgabenbereich tätig sind. Dabei ist die Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden am Flughafen von großer Bedeutung. Dazu zählen unter anderem die Bundes- und Landespolizei, der Zoll, (Luft-)Sicherheitsbehörden und Airlines. „Es ist eine anspruchsvolle, aber auch interessante Aufgabe, die umfassende Menge an Vorschriften und Sicherheitsmaßnahmen genau und ohne Aufsehen zu erregen, umzusetzen.“

Der BVSW, dem er darüber hinaus vorsteht, wurde im Jahr 1976 von führenden bayerischen Wirtschaftsunternehmen gegründet. Der Verband umfasst aktuell 200 Mitglieder aus der gewerblichen Wirtschaft, der Industrie, Versicherungen, der Sicherheitstechnik, der IT-Branche sowie aus privaten Dienstleistungsunternehmen. Die gemeinnützige Organisation sieht sich als Netzwerker und Multiplikator und vertritt die Positionen des Verbandes gegenüber der Politik in Bayern und in Berlin. Man steht im ständigen Austausch im Bereich Sicherheit bei Behörden und Politik und ist im Bereich Risiko- und Gefahrenanalysen tätig. Zusätzlich zu den verbandsseitig angebotenen Aus- und Weiterbildungen werden Hilfen, beispielsweise bei IT-Sicherheitsvorfällen angeboten, um betroffene Unternehmen zu unterstützen.

Zudem beobachtet und analysiert der BVSW Entwicklungen aus den Bereichen Wissenschaft und Forschung: „Es gibt laufend neue und spannende Lösungen aus der Sicherheitsforschung, um die Sicherheit für die Menschen zu erhöhen. Diese Innovationen stellen wir unseren Mitgliedern und Sicherheitspartnern regelmäßig vor und geben somit einen Wissensvorsprung und Einblick in hochaktuelle Erkenntnisse von Security Research“, so Borgschulze.

Seiner Erfahrung nach gilt es auch in der Verwaltung einer Stadt gut auf drohende Gefahren vorbereitet zu sein: „Der richtige Umgang mit Sicherheitsvorfällen ist entscheidend.“ Im Detail führt der Sicherheitsexperte aus, dass Vorkommnisse mit natürlichem Ursprung (Unwetter, Schneekatastrophen) oder von Menschen verursacht, auch bei Behörden jederzeit auftreten können. Hier sei in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Krisenmanagement und in anderen Fachbereichen eine planvolle Vorbereitung ebenso wichtig, wie kurze Reaktionszeiten im Ernstfall. Ein funktionierendes Notfall- und Krisenmanagement würde dabei aus einer strukturierten Vorbereitung und Organisation des betroffenen Bereiches resultieren. In seinen Augen sind daher regelmäßige Übungen der Abläufe und gut geschultes Personal, das sich auf dem Laufenden hält, unabdingbar.

Ein zentraler Begriff ist laut Borgschulze in diesem Zusammenhang „Security“. Im Gegensatz zu „Safety“, das sich mit Bereichen wie Arbeits- und Brandschutz befasst, steht „Security“ per Definition für: „Vorbeugende Maßnahmen gegen den Eintritt von Ereignissen (Handlungen, Delikten und anderen unerwünschten Zuständen), die durch Personen in böswilliger Absicht gegen Unternehmen oder Organisationen (Mitarbeiter, Eigentum im weitesten Sinne oder guter Ruf) begangen werden, sowie mit der Begrenzung oder Beherrschung solcher Vorfälle und des daraus resultierenden Schadens.“

Großen Raum nimmt in diesem Zusammenhang der Bereich der „Cyber-Security“ ein. „Hackerangriffe auf Unternehmen werden zunehmend häufiger und professioneller ausgeführt. Sabotage, Spionage und Erpressung stehen dabei im Vordergrund. Cyberkriminelle hacken sich quer durch alle Branchen und Unternehmensgrößen. Besonders stark ist das Phänomen der Ransomware-Attacken angestiegen. Dabei werden Daten eines Unternehmens über ein Schadprogramm verschlüsselt, um anschließend Lösegeld für die Entschlüsselung zu erpressen. Bei der Bekämpfung dieser Cyberangriffe geht es nicht nur um technische Gegenmaßnahmen, sondern um eine Kombination aus situationsbezogenem Krisenmanagement, technischen Maßnahmen und interner und externer Krisenkommunikation. Treffen kann es leider jeden.“, warnt der BVSW-Vorstandsvorsitzende. Deshalb sei es immens wichtig, gerade auch in diesem Bereich bestens auf alle Ereignisse vorbereitet zu sein, denn, so seine Überzeugung: „gut vorbereitet ist halb gewonnen.“

Josef Schreindl, Geschäftsleitender Beamter der Stadt Zwiesel, informierte im Anschluss an den Vortrag die Anwesenden darüber, dass seitens der Stadt sehr viel Zeit und Energie in den Bereich Sicherheitsvorsorge investiert worden ist. Dazu gehören: Merkblätter für den Eintritt verschiedener Ereignisse, Kommunikationsverzeichnisse für Notfälle, Sicherstellung der Kommunikationstechnologie, Feuerwehreinsatzpläne, Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen, Hochwassernachrichtendienst, Notfallpläne Energie, Wasser, Abwasserbeseitigung sowie Seuchenschutz.

Hintergrund sei die Daseinsvorsorge für alle Bürgerinnen und Bürger (Stromversorgung, Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Straßenverkehr, Brandschutz usw.), da durch eine Unterbrechung der Versorgung ungeahnte Personen- und Sachschäden entstehen könnten.

Auch Schreindl sieht neben unvorhergesehenen Naturereignissen, vor allem auch die Gefahr gezielter Angriffe im Bereich EDV.

An der Veranstaltung haben neben dem Referenten Alexander Borgschulze, Bürgermeister Franz Xaver Steininger und Josef Schreindl (Geschäftsleitender Beamter) teilgenommen: Maria Gunderlach (Flughafen München GmbH, Konzernbereich Konzernsicherheit, Referentin Bereichsleitung), Nina Liebhaber (HRM – Personalchefin), Alexander Reif (Ordnungsamtsleiter), Marcus Pöhn (Bauamt), Christian Erl (Bauhofleiter), Ulrich Rauch (Kläranlagenleiter), Harald Haase (stellv. Informationssicherheitsbeauftragter (ISB), IuK (Information und Kommunikation), Andreas Schuster (designierter Stadtwerkeleiter), Robert Lang (stellv. Technischer Stadtwerkeleiter) sowie Personalrat Thomas Hollerung.