Glasstadt Zwiesel

ISEK 2016-2017 Stadt Zwiesel

Sehr verehrte Damen und Herren, Herzlich willkommen,

„Das geht uns alle an: Wir gestalten Zwiesels Zukunft“
unter diesem Motto heiße ich Sie heute Abend im Namen des Stadtrates und meiner Bürgermeisterkollegen Frau Elisabeth Pfeffer und Herr Alfred Zellner herzlich Willkommen.

Ich war von Anfang an überzeugt davon, dass es möglich ist, Zwiesel als moderne, zukunftsorientierte und attraktive Bayerwald-Metropole ins 21. Jahrhundert zu führen. Zusammen mit einigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern ist es inzwischen gelungen unserem Projekt ein scharfes Profil zu geben. Deshalb freue ich mich ehrlich, dass heute der Startschuss für das ISEK 2016-2017 der Stadt Zwiesel, erfolgen kann. Das ist, aber das sind derartige Abkürzungen ja häufig, eine etwas sperrige Bezeichnung.

Was sich dahinter versteckt ist das sogenannte „integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept“.

Per Definition des Bundesumweltministeriums sind dies: „Räumlich integrierte, ressort- und akteursübergreifende Entwicklungskonzepte. Sie sind darüber hinaus das Ergebnis eines kooperativen Planungsprozesses.“

Integriert bedeutet für mich dem Wortsinn nach, möglichst viele Akteure schon in der Planungsphase – aber natürlich auch darüber hinaus – einzubeziehen. Wir müssen diskutieren, Ergebnisse bewerten, gemeinsam entscheiden und nicht zuletzt natürlich handeln.

Integration bedeutet aber auch, Aufgaben zu verteilen und Ideen, Kompetenz und Fachwissen zu bündeln. Wenn ich also zu Beginn der Veranstaltung zu Ihnen spreche, dann ist das nur so etwas, wie die Anmoderation. Im Anschluss werden Sie, Herr Martin Flat und Frau Petja Hargartner erstmals eine tragende Trolle spielen. In diesem Zusammenhang darf ich auch Ihre ISEK-TEAM-Kollegen Frau Dr. Silvia Horn, Herrn Dr. Martin Kattner und Herrn Robert Ulzhöfer, begrüßen, die hier auf dem Podium weitere Informationen geben können und selbstverständlich auch Fragen beantworten werden. Ferner darf ich Herrn Josef Schreder, Amtsleiter der Bauverwaltung begrüßen.

Ich bin  – und ich denke hier spreche ich für alle im Saal Anwesenden – schon sehr gespannt wie Sie die Situation bewerten. Es gibt ja den Begriff der Betriebsblindheit. Wir erkennen also im täglichen Alltagstrott nicht mehr, was falsch läuft. Da ist eine Meinung von außen immer wertvoll und willkommen. Ihre Einschätzungen und Hinweise zum Thema Stadtentwicklung, zu Chancen und Möglichkeiten und Grenzen eines ISEK-Prozesses, sind für uns mehr als wertvoll.

Jeder kennt Schlagworte wie Demografischer Wandel, Globalisierung, Landflucht, Digitaler Wandel. Das alles birgt Probleme aber und das sollte uns bewusst sein: Auch Chancen. Das gilt natürlich auch für Zwiesel: Zwiesel verändert sein Erscheinungsbild, sowohl in der Sozialstruktur, in der Zusammensetzung unserer Bevölkerung aber auch in dem was in Zwiesel konzeptionell und inhaltlich umgesetzt wird. Und –  vor allem dafür sind wir heute zusammengekommen: Zwiesel entwickelt sich! Und zwar in eine positive Zukunft. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Dafür möchte ich meine Kraft einsetzten und Sie auffordern, dies ebenfalls zu tun.

An der Stelle möchte ich herzlichen Dank bei allen denen sagen, die sich bisher für Zwiesel engagiert, die für unsere Heimatstadt Initiative ergriffen und mit mir den Weg begonnen haben, den wir heute eingeschlagen haben.

Wenn wir dieser Veranstaltung das Motto, „Wir gestalten Zwiesels Zukunft“ voranstellen, dann benötigen wir auch eine Bestandsaufnahme, einen nüchtern-kritischen Blick auf die Gegenwart und die Vergangenheit.

Eine Bestandsaufnahme bedeutet zunächst einmal herauszufinden:
• Was finden wir in Zwiesel gut
• Was gefällt uns nicht
• Wo haben wir Schwächen, die wir verbessern können
• Wo sehen wir uns und unsere Stadt in der Zukunft

Wir sind heute mit dem Willen gestartet die Zukunft Zwiesels gestalten zu wollen, somit ist die Frage nach dem „Wie?“ ein zentraler Schwerpunkt der Auftaktveranstaltung.

Jeder Einzelne muss sich also die Frage stellen: Wie stelle ich mir mein Zwiesel in der Zukunft vor? Und was bin ich bereit dafür zu tun, wie bringe ich mich ein, auch damit aus dem „ich“ ein „wir“ werden kann. Eine starke Gemeinschaft aus Individuen, die für Zwiesel nach vorne marschiert.

Das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept schafft dafür eine Grundlage. ISEK ist die verbindende, übergreifende Klammer für die nächsten Jahre.

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Natürlich wurde auch in der Vergangenheit in Zwiesel mit Konzepten und Plänen gearbeitet. Kommunalpolitik und Stadtverwaltung haben stets ihr Bestes gegeben. Ich möchte hier beispielhaft die Sanierungsprogramme in der Angerstraße und den Teilausbau der Westtangente nennen.

Warum haben wir uns dann heute hier versammelt
? Warum müssen wir an einem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept arbeiten?

Ganz einfach, auch das Produkt „Stadt Zwiesel“ hat einen Lebenszyklus.

Der Lebenszyklus von Kleidung ist eine Saison, also ein Jahr. Beim Automobil erfolgt nach 2-3 Jahren das erste Facelifting und nach spätestens 4-5 Jahren kommt ein neues Modell auf den Markt.

Auch die Stadt, der urbane Raum hat einen Lebenszyklus, früher mögen das 30-40 Jahre gewesen sein, heute wohl eher 10-20 Jahre. Die Lebenszyklusdynamik hat zugenommen. Der Markt, also letztlich die Kunden, geben die Anforderungen vor. Die Menschen erfahren viele Anreize in den Medien, sind mobil und teilweise weit gereist, haben weitreichende Vergleichsmöglichkeiten. Die Beschleunigung des Lebenszykluses einer Stadt liegt also vor allem in der immens gestiegenen Konkurrenz-Situation: Medial, Digital und wenn Sie die Einkaufspassagen anderer Orte so nennen wollen: Auch analog.

So viel muss uns allen klar sein: Es ist ein fataler Fehler zu glauben, man könnte den Kunden erziehen. Die Erfahrung zeigt, das funktioniert aus eben beschriebenen Vergleichsmöglichkeiten garantiert nicht mehr:
• Wenn der Verkehr nach alten Gewohnheiten geregelt ist
• Wenn das Ladengeschäft die Warenpräsentation nicht kundenorientiert in Scene setzt
• Und wenn das Leistungspaket für den Touristen nicht stimmig ist.

Dann geht der Kunde oder der Urlaubsgast eben anderswo hin

Es reicht heute eben nicht mehr, nur eine Ware anzubieten, man muss eine Geschichte dazu erzählen - Stichwort „story marketing“. Mit einer Stadt verhält es sich wie mit dem Lebenszyklus eines in die Jahre gekommenen Hotels: Wer nicht permanent investiert, renoviert und saniert, wird unattraktiv und verliert für den Gast an Reiz. Nicht anders verhält es sich mit unserer Stadt, unserem Wohnzimmer, von dem wir möchten, dass sich jeder wohl fühlen kann.

Wenn wir den Kunden also nicht erziehen können, dann benötigen wir weitreichende Argumente um ihn durch professionelles, zielgruppenorientiertes Marketing zu lenken, besser noch von unseren Qualitäten zu überzeugen.

Hier setzt ISEK ganzheitlich, mit allen Themenfeldern an. Und auch wir haben in den letzten 4-5 Jahren unsere Hausaufgaben gemacht und auch schon kräftig Vorarbeit geleistet. So wurden:
•    Interessengruppen beim Handel gebildet, um die Innenstadt wieder mit Ladengeschäften zu füllen.
•    Gastwirtetreffen neu organisiert, um auch hier die unterschiedlichsten kulinarischen Angebote zu bündeln und zielgruppenorientiert und themenbezogen vermarkten zu können – Stichwort: Glas und Tischkultur in Zwiesel.
•    Und auch der Tourismus wird sich morgen Abend mit einer neuen Vorsitzenden neu formieren und sich wieder stark für das Produkt, für die Marke Zwiesel aufstellen.

Wir können mit Stolz sagen, dass wir die letzten Monate und Jahre intensiv genutzt haben, um die Lebenszykluskurve wieder nach oben zu drehen.

Derzeit wird in Zwiesel viel gebaut und geplant. Daran wird sich auch in den kommenden 1-2 Jahren nicht viel ändern. Das sind einerseits Pflichtaufgaben, die auch im Rahmen einer Stadtentwicklung durchgeführt werden müssen, das ist aber andererseits auch konzeptionell so gewollt. Ich möchte in diesem Zusammenhang jetzt nur Stichworte wie Asphaltdeckensanierungen, Erneuerung der Wasserleitungs- und Stromnetze, Brücken- und Stützmauersanierungen und Baumkataster nennen.

Das alles, und noch viele weitere Projekte mehr sind bereits Maßnahmen für das ISEK, das verbindendes Glied ist und die große Klammer um das Ganze bildet. Das was perspektivisch nicht nur zusammenführen, sondern auch um die soziale und gesellschaftliche Dimension erweitern soll.

ISEK ist für uns als Verwaltung aber auch für den Stadtrat fraglos eine Herausforderung. Den Ausgang der Maßnahme können wir heute noch nicht voraussagen. Umso wichtiger wird es sein, dass wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen und uns von der Überzeugung leiten lassen, dass wir es für die Zukunft unserer Stadt tun!

Lassen Sie es mich so sagen: Der Prozess hat meiner Ansicht nach dann Erfolg, wenn die Bereitschaft von uns allen vorhanden ist, Zeit zu investieren:
• Zeit mit der Analyse zu beginnen
• Zeit zum zuzuhören
• Zeit um Fragen zu stellen
• Zeit um zu verstehen
• Zeit zum Diskutieren
• Zeit zum Bewerten
• Zeit um zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, Entscheidungen zu treffen.

Zum Schluss meiner Ausführungen möchte ich Ihnen anhand des Entwicklungsprozesses Stadtentwicklung Zwiesel, den wir schon vor einigen Jahren angestoßen haben aufzeigen, dass Veränderungsprozesse gerade am Anfang Zeit und Geduld brauchen:
•    Erstmals wurde im Dezember 2011 das Revitalisierungskonzept in nicht öffentlicher Sitzung vorgestellt. Das Gesamtkonzept bestand damals schon aus den wesentlichen Teilen Verkehr, Städtebaulichen Elementen und City Outlet als besondere Form des Handels.
•    2012 wurde das erste Verkehrsgutachten beim Büro PSLV in Auftrag gegeben, welches Anfang 2013 vorgestellt wurde. Seitdem wissen wir, wie eine veränderte Verkehrslenkung aussehen und auch funktionieren kann.
•    Im Dezember 2014 fand die erste Eigentümerversammlung statt und von da an ging es sprichwörtlich „Schlag auf Schlag“. Es folgten zwei weitere Eigentümerversammlungen, die in der Beauftragung zweier Gutachten in Höhe von ca. 50.000 € mündeten.
•    Im Mai 2015 wurde von der Stadt Zwiesel die Besuchsfahrt zu sogenannten Best-Practice-Beispielen organisiert. Neue Mitte Fürth, die Stadt Hanau und Bad Münstereifel standen auf dem Programm. Waren hier erst noch zwei Stadträte dabei, konnte bereits Ende 2015 ein überwältigender Mehrheitsbeschluss zur „Revitalisierung der Innenstadt durch Eigentümer und Stadt Zwiesel durch planungsrechtliche Voraussetzungen sowie flankierende Maßnahmen“ gefasst werden.
•    Im Januar 2016 erfolgte durch den Projektleiter von „Hanau baut um“ ein Impulsvortrag in Zwiesel und jetzt heißt es „Zwiesel baut um“!

Zwei Grundsatzbeschlüsse hat der Stadtrat im Dezember vergangenen Jahres (15.12.2015) gefasst, auch den für das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept.

1. Der Stadtrat der Stadt Zwiesel begrüßt die Revitalisierung der Innenstadt durch den Zusammenschluss von Eigentümern in Zwiesel auf der Grundlage der Markt- und Standortanalyse inkl. Potenzialanalyse vom 11.6.2015 sowie dem Nutzungskonzept vom 28.10.2015. Der Stadtrat sieht in dem Projekt einen wirkungsvollen Beitrag zur langfristigen Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit des Handels und der Tourismuswirtschaft in Zwiesel und der gesamten Region. Das Projekt wird durch die Aufwertung der Handelsflächen und Erschließung neuer Kunden als geeignet angesehen, das Handels-, Touristen und Kulturangebot in Zwiesel und den gesamten Bayerischen Wald nicht nur zu sichern sondern positiv zu erweitern.

2. Der Stadtrat ist gewillt auf der Grundlage dieses Konzepts die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen und flankierende Maßnahmen (Optimierung von Wegeverbindungen, Parkraum- und Verkehrsverbesserungen, Straßenraumneugestaltungen u.ä.) im Rahmen des ISEK-Prozesses in den nächsten 1-3 Jahren durchzuführen.


Wir haben nunmehr die Büros BBE, PSLV und Umbau Stadt beauftragt uns moderierend, gestaltend, orientierend und lenkend in den nächsten 12 Monaten zu begleiten.

An der Stelle möchte ich auch noch das Büro Bartenbach GmbH erwähnen, das am kommenden Donnerstag um 17 Uhr in öffentlicher Sitzung die ersten Analysen der Grundlagenermittlung zur Straßenbeleuchtung im gesamten Stadtgebiet vorstellt. Lichtplanung, ein sehr wichtiger Punkt in der Stadtgestaltung!

Wie wichtig das Thema auch seitens des Stadtrates genommen wird, wie ernst es auch den Rats-Kolleginnen und Kollegen mit dem Thema ISEK ist, zeigt die Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmittel. Und das trotz der – wie wir alle wissen – angespannten Zwieseler Haushaltssituation. Das bedeutet: Wir nehmen uns nicht nur die Zeit sondern auch das Geld in die Hand, um unsere ehrgeizigen Pläne in die Tat umzusetzen.

Seitens der Kommune und der Verwaltung tragen wir also unseren sicherlich wichtigen und notwendigen Teil zum Gelingen bei. Doch um noch einmal das „Wir“ ins Spiel zu bringen: Alleine gestalten und umsetzen können, sollen und wollen wir unser Projekt nicht. Dazu muss ein gewaltiger Ruck durch Zwiesel gehen, der möglichst viele dazu veranlasst mitzumachen.

Und die Zeichen stehen nicht schlecht: Ich möchte in diesem Zusammenhang unser Lob und unsere Anerkennung aussprechen, dass so viele Bürgerinnen und Bürger an der Bürgerbefragung zum Thema Handel sowie der Verkehrszählung und –Verkehrsbefragung teilgenommen haben. Mit diesen Daten lässt sich gut arbeiten, wir haben damit eine gemeinsame Grundlage von Fakten, eine Faktenbasis geschaffen.

Heute fällt also der Startschuss für das Zwieseler Projekt „Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept Zwiesel 2016-2017“.

Wir möchten Sie nun informieren
• um was es genau geht
• wie der Prozess abläuft
• wie man mitarbeiten kann
• wie genau die ersten Ergebnisse aussehen.

Das alles werden wir heute Abend in den Mittelpunkt der Veranstaltung stellen.

Gleich im Anschluss wird das Büro UmbauStadt den Ablauf vorstellen und die Moderation übernehmen.

An das Ende meiner Ausführungen möchte ich den Wunsch, die Bitte, und die Hoffnung stellen, dass wir gemeinsam die Chancen nutzen die der ISEK-Prozess bietet.

In diesem Sinne freuen wir uns auf einen interessanten und abwechslungsreichen Abend. Auf Vorträge, Diskussionen, Einschätzungen und Meinungen zur Zukunft unserer Stadt, zur Zukunft von Zwiesel für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.

Freuen Sie sich mit mir auf das gemeinsame Miteinander in den nächsten Wochen und Monaten.

Wir gestalten Zwiesels Zukunft: Machen wir dieses Motto gemeinsam wahr!

Herzlichen Dank.
--- ES GILT DAS GESPROCHENE WORT ---