Nahezu unverkäufliche Gewerbegebietspreise in Zwiesel

Zwiesel. Das Gewerbegebiet Fürhaupten Nord ist seit rund zwei Jahrzehnten ein Problem-fall. In dieser Zeit konnte bisher lediglich eine Belegung von 50 Prozent erreicht werden. Das liegt an der schwierigen Bodenbeschaffenheit und den demzufolge unverhältnismäßig hohen Grundstückspreisen. Aus Sicht der Verwaltung der Stadt Zwiesel müssten hier längst Entscheidungen gefällt werden, um diesen untragbaren Zustand zu ändern. Das schien bislang aber nicht möglich, da alle bisher vorgeschlagenen strukturellen Maßnah-men vom Stadtrat boykottiert wurden. Um so mehr freut sich Bürgermeister Franz Xaver Steininger, dass einige Mitglieder des Gremiums jetzt offensichtlich doch bereit sind, um-zuschwenken.

Steininger macht das aktuelle Problem an einem Beispiel fest: Demnach plant ein Zwiese-ler Traditionsbetrieb mit LKW-Fuhrpark und mehreren Angestellten derzeit einen Umzug ins Gewerbegebiet Führhaupten Nord. Es liege aktuell ein Beschluss des Stadtrates vor, der einen Quadratmeterpreis von 15 Euro festlegt. „Das ist absolut unrealistisch“, betont Steininger und ergänzt: „Das Unternehmen muss pro Quadratmeter noch einmal 30 - 50 Euro für den Bodenaustausch investieren, um das Gelände bebaubar zu machen.“ Damit ergibt sich ein Quadratmeterpreis von 45 - 65 Euro. „Wer einen Blick auf Angebote im In-ternet wirft, wird schnell feststellen, dass andernorts voll erschlossene Gewerbegrundstü-cke, die noch dazu neben der Autobahn liegen, bereits für 26 Euro pro Quadratmeter an-geboten werden“, sagt der Rathauschef. Erschwerend käme hinzu, dass jeder Unterneh-mer, der sich in Zwiesel ansiedelt, mit einer bayernweit vergleichsweise sehr hohen Ge-werbesteuer rechnen muss. Steininger würde nicht wundern, wenn der Großhandels-Betrieb nach über 50 Jahren aus Zwiesel abwandert.

Mehrfach wurde seitens der Verwaltung versucht, einen einheitlichen, für alle Interessen-ten vertretbaren Konsens zu finden. Man brauche umgehend Rahmenbedingungen, lautet das offizielle Credo. So wünscht sich Steininger eine strategische, zukunftsweisende Pla-nung, verbindliche Verkaufsparameter und einen Verkaufspreis, der nicht über sieben Euro pro Quadratmeter liegen sollte. Doch immer wieder habe man in seiner Amtszeit mit diesen Vorschlägen im Stadtrat auf Granit gebissen. Der bestehe nach wie vor darauf, mit jedem Interessenten gesondert zu verhandeln und Preise individuell zu gestalten. Diese Vorge-hensweise habe letztlich dazu geführt, dass ein anderer ortsansässiger Gewerbetreiben-der, für ein mehr als 10.000 Quadratmeter großes Grundstück weit weniger als zehn Euro pro Quadratmeter bezahlt habe. „Das nenne ich Willkür und Verhinderungstaktik, im schlimmsten Fall wird uns Amigo-Politik unterstellt“, schimpft Steininger, der noch ein wei-teres Beispiel parat hat. So soll ein Heizungs- und Sanitärbetrieb, der seinen Stammsitz nach Zwiesel verlegen will und bereit wäre rund sieben Euro für den Quadratmeter Gewer-begrund auszugeben, per Stadtratsbeschluss ebenfalls 15 Euro pro Quadratmeter bezah-len. Damit sei die Neuansiedelung so gut wie vom Tisch. Für Steininger gleicht derartiges Verhalten einer Katastrophe. Bevölkerungsverluste, mit denen alle ländlichen Kommunen zu kämpfen haben, seien nur durch die Schaffung von Arbeitsplätzen umkehrbar. Gerade der Bereich der mittelständischen und kleinen Betriebe leide aber seit Jahren an Stagnati-on, in vielen Branchen sogar an Schrumpfung. Steininger fragt sich daher, ob es sich Zwiesel wirklich leisten kann, derartige Interessenten zu verprellen?

Doch offensichtlich steht die Verwaltung der Stadt Zwiesel in diesem Zusammenhang nicht mehr alleine auf weiter Flur. In einer aktuellen Pressemitteilung unterstützt die PWG-Fraktion die Linie Steiningers. Dessen Wunsch ist es daher: „Ich hoffe für das Wohl der Stadt Zwiesel, dass der Funke der Vernunft, der jetzt gezündet worden ist, zu einem positi-ven Lauffeuer wird.“

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