Steininger hält an Ausstieg aus FNBW fest

Bürgermeister bekräftigt bei Vermieterversammlung seine Position

Zwiesel. Wie geht es weiter mit dem Tourismus in der Stadt Zwiesel? Bürgermeister Franz Xaver Steininger lud zu diesem Thema zu einer Informationsveranstaltung ins Kulturzentrum ein. Zahlreiche Vermieter und einige Stadträte waren der Einladung gefolgt, um sich in der aktuellen Diskussion um die Zugehörigkeit der Stadt Zwiesel zur Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald GmbH (FNBW) zu informieren. Bürgermeister Steininger hielt dabei an seiner Position fest: Er möchte den schnellstmöglichen Ausstieg aus der FNBW erwirken, setzt dabei auf die Unterstützung der Tourismusbetriebe der Stadt.

Zwiesel, so ist sich Steininger sicher, sei der große Zahlmeister der FNBW, werde aber im Gegenzug mit allen anderen Mitgliedsgemeinden in einen Topf geworfen. In der FNBW gelte der Grundsatz, alle Mitglieder gleich zu behandeln. Zwar trägt Zwiesel rund ein Viertel des Etats der FNBW, erhält aber im Gegenzug nicht die entsprechende Darstellung in der Werbung. Im Gegenteil: Zwiesel werde eins gemacht mit Gemeinden wie Mauth, Lindberg oder Neuschönau und verliert damit die herausgehobene Stellung, die der Stadt angemessen wäre.

Steininger nennt dazu ein Beispiel: In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Waldgeist“ wird der Bayerische Wald als touristisches Ziel dargestellt. Dabei treten die Städte Waldkirchen, Freyung, Grafenau und Regen als so genannte „Erlebnisstädte“ hervor und wurden entsprechend gekennzeichnet. Zwiesel nicht – die Stadt verschwindet im Einheitsbrei der FNBW-Region. Steininger hat Erkundigungen eingeholt, wie das geschehen konnte. Die Antwort der Waldgeist-Redaktion: Dies sei auf Wunsch der FNBW geschehen, die kein Mitglied herausgehoben dargestellt wissen wolle.

Insgesamt, so ist Steininger überzeugt, reiche der Werbeetat der FNBW nicht aus, um diese Region als Tourismus-Marke zu etablieren. Rund 230.000 Euro stehen der FNBW für Werbung und Messeauftritte zur Verfügung. Laut Steininger bedürfe mindestens des Doppelten bis Dreifachen, um effektiv Werbung machen zu können. Er stützt sich dabei auf die Haushaltspläne anderer Tourismusregionen, wie etwa der Ferienregion Tegernsee, die einen Jahresetat von 4 Millionen Euro für Werbe- und Marketingmaßnahmen zur Verfügung habe – bei einem Volumen von etwa 1,5 Millionen Übernachtungen im Jahr. Zum Vergleich: Im Gebiet der FNBW wurden 2014 etwa 700.000 Übernachtungen gezählt.

Zudem fehlte es dem Bayerischen Wald an klaren Strukturen: Der Gast ist oft überfordert mit der Frage, wo er sich denn nun an seinem Urlaubsoft befindet. Ist er im Arberland, in der Arberregion, im Ferienland Nationalpark Bayerischer Wald oder im Nationalpark Ferienland Bay. Wald? Allesamt treten in der Region auf, eine Unterscheidung ist beinahe unmöglich.

Steiningers Antwort für die Zukunft ist eindeutig: Zwiesel müsse sich touristisch wieder auf die eigenen Beine stellen. Die 140.000 Euro, die in die FNBW bezahlt werden, könnten wieder für eigene Marketingmaßnahmen verwendet werden – die Personalkosten vor Ort werden ohnehin auch in der FNBW von der Stadt selbst getragen. Als Werbepartner könne man sich dem Arberland anschließen – denn Zwiesel ist ohnehin Mitglied im Arberland. Bei Messebesuchen, zum Teil in der Werbung und auch beim Auftritt nach außen könne sich das Arberland, die Arberregion und Zwiesel perfekt ergänzen. Die Vermarktung vor Ort selbst, würde dann wieder in den Händen der Stadt selbst liegen.

Damit seien auch die Grundlagen für die allgemeine Stadtentwicklung gelegt, denn Steininger will die Kooperation zwischen Wirtschaft und Tourismus in der Stadt stärken und weiter ausbauen. „Das eine ist ohne das andere nicht denkbar, Handel und Tourismus hängen direkt voneinander ab“, ist der Bürgermeister überzeugt. Wer Gäste in die Stadt locken will, braucht gute Einkaufsmöglichkeiten. Umgekehrt profitieren die Geschäfte der Stadt von einem regen Tourismus. Ein Gesamtkonzept für die Stadtentwicklung müsse deshalb in der Stadt selbst verantwortet werden. Die Auslagerung des Tourismus auf die FNBW sei in diesem Zusammenhang kontraproduktiv.

Das Ziel für Bürgermeister Franz Xaver Steininger ist realistisch: Zwiesel soll wieder mehr Feriengäste anlocken, die Übernachtungszahlen sollen wieder steigen. Gleichzeitig sollen Innenstadt und Handel neu belebt werden. Dies, so ist er überzeugt, könne nur von den Zwieselern gemeinsam geschultert und erreicht werden.

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