Kläranlage Zwiesel wird zum Wegbereiter der kommunalen Energiewende

Bürgermeister Franz Xaver Steininger (links) mit Betriebsleiter Ulrich Rauch am neuen Blockheizkraftwerk

Ergebnisbericht 2015 belegt eine überaus positive Energiebilanz


„Die getätigten Investitionen waren zwar enorm, zweifelsfrei jedoch der entscheidende Schritt in die richtige Richtung und ein Meilenstein auf dem Weg hin zur Umsetzung der Energiewende auf kommunaler Ebene“, ist Bürgermeister Franz Xaver Steininger (parteifrei) überzeugt. Auslöser für sein positives Fazit ist der unlängst im städtischen Hauptausschuss vorgestellte Ergebnisbericht 2015 der Kläranlage Zwiesel. „Die Herbeiführung der Energiewende, so Bürgermeister Steininger in seiner Pressemitteilung, „war bekanntlich eine Entscheidung der großen Politik, die Umsetzung aber muss unten, an möglichst breiter Basis erfolgen, wenn sie zielführend sein soll“. Bestes Beispiel hierfür ist die städtische Kläranlage, der in punkto Energieeinsparung bei möglichst ökologischem Handeln auf kommunaler Ebene eine absolute Vorreiterrolle zukommt.

Investitionskosten von mehr als 500.000 €

Wie bekannt, tätigte die Stadt in der Kläranlage Zwiesel umfangreiche Investitionen. So wurden 2014 eine 47 kWp Photovoltaikanlage errichtet, ein neues Blockheizkraftwerk mit 50 kW Leistung gebaut und in die Erneuerung der Schlammentwässerung investiert. Die Investitionssumme betrug insgesamt 553.000 €. Da Planung, Ausschreibung, Bauüberwachung und Abrechnung der jeweiligen Einzelmaßnahme in Eigenregie durch den Betriebsleiter der Kläranlage erfolgte, konnten allein Planungskosten von mehr als 100.000 € eingespart werden.
Dass die getätigten Investitionen nunmehr erste Früchte tragen, geht aus dem Ergebnisbericht 2015 hervor: Gegenüber den Vorjahren konnten die Stromkosten in der Betriebseinrichtung Kläranlage um rund 55.000 € reduziert werden, obwohl die allgemeinen Strompreise von den Versorgern ständigen Erhöhungen unterworfen waren.

Zur Senkung der Stromkosten entscheidend beigetragen hat die neue Photovoltaikanlage. Sie lieferte im abgelaufenen Jahr 47.731 Kilowattstunden Strom, was in etwa 7 % des gesamten Strombedarfs der Kläranlage entspricht. Seit Inbetriebnahme im Juli 2014 erzeugte die Anlage bisher 77.000 Kilowattstunden Strom.

„Für eine stark verbesserte Energiebilanz sorgt in der Zwieseler Kläranlage vor allem auch das neue Blockheizkraftwerk“, berichtet Betriebsleiter Ulrich Rauch mit sichtlichem Stolz auf das Erreichte. Bei annähernd gleicher Klärgasmenge aus dem sogenannten Faulturm, arbeitet das neue Blockheizkraftwerk wesentlich effektiver als die Vorgängeranlage aus dem Jahre 1976. So konnte 2015 die Stromerzeugung im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2013 um stattliche130.000 kWh gesteigert werden. Damit ist es nunmehr möglich, den Strombedarf der Kläranlage Zwiesel zu 49 % über das betriebseigene Blockheizkraftwerk zu erwirtschaften. „Die enorm verbesserte Energieeffizienz wird durch einen höheren Wirkungsgrad und insbesondere auch durch die optimale Auslegungsgröße der neuen Anlage erreicht“, wie Betriebsleiter Rauch erklärt.

Insgesamt konnte die Kläranlage im vergangenen Jahr mit 348.141 kWh mehr als 55 % des gesamten Strombedarfs selbst erzeugen. Im Jahr 2000 lag der jährliche Strombedarf noch bei insgesamt 890.000 kWh, davon konnten über die alten Blockheizkraftwerke lediglich 21 % gedeckt werden.
Wirkung zeigt mittlerweile auch die Erneuerung der Schlammentwässerung. Hier wurde die Kammerfilterpresse durch zwei Schneckenpressen ersetzt. Durch den Austausch wurde es möglich, den jährlichen Stromverbrauch von 12.600 kWh auf 8.400 kWh zu reduzieren.

Heizölverbrauch auf Rekordtief gesenkt

Hocherfreut zeigt sich Bürgermeister Steininger auch über den augenfälligen Rückgang beim Heizölverbrauch. „Damit konnte in mehrfacher Hinsicht dem Bestreben, die kommunale Energiewende voranzutreiben, Rechnung getragen werden“, so Zwiesels Stadtoberhaupt.

Ein Großteil der anfallenden Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk wird nämlich zur Faulturmbeheizung benötigt, da dieser auf einer konstanten Temperatur von 35,5 °C gehalten werden muss. Weil die Abwärme des Blockheizkraftwerks allein jedoch nicht ausreicht, um die erforderliche Temperatur vor allem während der Wintermonate zu halten, muss bisher zum Teil noch mit Heizöl gefeuert werden. Um auf diesem Energiesegment Verbesserungen herbeizuführen, wurde der Standort des neuen Heizkraftwerks möglichst nahe an der Heizzentrale gewählt. Damit sind Leitungsverluste nunmehr ausgeschlossen. „Unterm Strich“, so Betriebsleiter Ulrich Rauch, „wird gegenüber der alten Maschinen mit dieser Maßnahme beim neuen Blockheizkraftwerk ein wesentlich höherer Wirkungsgrad garantiert.

In den Jahren 2011 bis 2013 wurden im Schnitt 43.800 Liter Heizöl für die Beheizung des Faulturms und der Gebäude benötigt. Nach Inbetriebnahme des neuen Blockheizkraftwerkes im November 2014 ist der Heizölverbrauch 2015 auf 16.600 Liter zurückgegangen. Durch die rückläufige Verbrennung von Heizöl wird in der Kläranlage auch der bisherige Schadstoffausstoß entscheidend gemindert. „Für einen Luftkurort ist so etwas von entscheidender Bedeutung“, weiß Zwiesels Bürgermeister.
„Dass sich all die Investitionen gelohnt haben, ist dem Ergebnisbericht 2015 unschwer zu entnehmen“, zieht Bürgermeister Steininger in seiner Pressemitteilung abschließend ein durchwegs positives Resümee. „Die Stadt Zwiesel hat durch die bisherigen Investitionen in die Kläranlage vor Ort einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende geleistet und wird den eingeschlagenen Weg bei künftigen Investitionen konsequent weiterverfolgen.

Da die städtische Kläranlage zwischenzeitlich ein stattliches Alter von 40 Jahren erreicht hat, sind weitere Investitionen unumgänglich. Dies betrifft sowohl die energetische Sanierung als auch die bauliche Substanzerhaltung. Als nächstes stehen die Erneuerung des Vorklärbeckenräumers, die Errichtung eines zweiten Blockheizkraftwerks sowie der Ersatz der energieintensiven Schlammbehandlung an. Anschließend soll in die Anlagensicherheit im Bereich der Niederspannungshauptversorgung und in die Erneuerung der Belüftung im Betriebsteil Belebungsanlage investiert werden.

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